Neuigkeiten: Dezember 2025

10 Jahre Frauenhaus Norderstedt

Drei Frauen an einem Stehtisch bei einer Jubiliäumsfeier eines Frauenhauses

Schutzraum mit Signalwirkung

Ein Jubiläum, das nachdenklich stimmt und zugleich wichtiges Engagement würdigt: Seit zehn Jahren bietet das Frauenhaus Norderstedt an seinem jetzigen Standort Schutz und Sicherheit für Frauen in akuten Notlagen. Doch die Feierlichkeiten werden von einer ernsten Botschaft begleitet – der Bedarf an Hilfe ist größer als das Angebot.

Ein Ort der gelebten Menschlichkeit

„Wir würdigen heute nicht nur ein Haus, sondern ein Stück gelebte Menschlichkeit“, betonte Silke Schiller-Tobies, Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Sozialministerium, während der Jubiläumsfeier.​ 

„Das Frauenhaus Norderstedt ist ein Bekenntnis dazu, dass der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.“

Die Einrichtung, die bereits 1980 gegründet wurde und seit 1985 in der Trägerschaft unseres Diakonischen Werkes steht, ist für viele Frauen und Kinder oft der letzte Ausweg aus einer Spirale der Gewalt.

Die Kehrseite: 550 abgewiesene Frauen

Trotz des unermüdlichen Einsatzes zeichnet Leiterin Marion Gerdes ein besorgniserregendes Bild der aktuellen Lage. Die Plätze im Haus sind fast durchgehend belegt. Allein in diesem Jahr mussten über 550 Frauen und ihre Kinder abgewiesen werden, weil schlichtweg kein Platz mehr frei war.​

„Gewalt gegen Frauen kommt in allen Gesellschaftsschichten vor“, mahnt Gerdes. Sie fordert deshalb dringend mehr Plätze und eine gesicherte Finanzierung des Schutzangebots.

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Die Dringlichkeit dieser Forderung unterstreichen auch die aktuellen Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA). Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, um 3,5 Prozent auf fast 190.000 an. Auch Sexualstraftaten verzeichneten einen Anstieg.

Es gibt jedoch auch Lichtblicke: Das Land Schleswig-Holstein hat angekündigt, in den kommenden Jahren 30 Millionen Euro aus Bundesmitteln zu investieren, um 200 neue Frauenhausplätze zu schaffen. Auch unser Diakonisches Werk bleibt aktiv: Mit Projekten wie dem psychosozialen Frauenhaus „Kumi“ in Hamburg schließen wir Lücken im Hilfsangebot.​

„Der erschreckende Anstieg von frauenfeindlichen Straftaten zeigt, wie groß der Handlungsbedarf beim Schutz von Frauen ist", so Andrea Makies, Geschäftsführerin Diakonisches Werk Hamburg-West/Südholstein.

„In Hamburg haben wir mit der Eröffnung des Psychosozialen Frauenhauses Kumi eine Lücke im bisherigen Schutzangebot geschlossen. Es richtet sich an gewaltbetroffene Frauen mit psychischen Erkrankungen und ist mit diesem Konzept bundesweit einzigartig."

Hilfsangebot soll ausgebaut werden

„Das Netz an Hilfsangeboten muss dringend weiter ausgebaut werden. Politik und Gesellschaft müssen deutlich machen, dass Gewalt gegen Frauen nicht toleriert wird. Wir tragen gern unseren Teil dazu bei“, so Makies.

Die Botschaft dieses Jubiläums bleibt klar: Der Schutz von Frauen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle angeht. Gewalt gegen Frauen darf nicht toleriert werden – und wir tragen als Kirche und Diakonie gern unseren Teil dazu bei, Betroffenen eine neue Perspektive zu geben.

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