Neuigkeiten: März 2026

Bildung gegen Rassismus

Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci

Rassismus betrifft uns alle

Rassismus. Ein Thema, über das auch in der Kirche lange zu wenig gesprochen wurde. Dabei sind kirchliche Strukturen mitnichten frei davon. Sowohl in unserer Gesellschaft als auch in der Kirche sind Aufklärung und Sensibilisierung nach wie vor wichtig.

Wieso ist Jesus eigentlich immer weiß?

Seit gut fünf Jahren beschäftigt sich in unserem Kirchenkreis die AG „Bildung gegen Rassismus“ daher eingehend mit dem so wichtigen Thema. Mit Workshops, Diskussions-Runden und Bildungsarbeit rücken Pastorin Joy Hoppe, Kelly Thomsen (Frauenwerk) und ihre Kolleg*innen (strukturellen) Rassismus in den Fokus und ins Bewusstsein. Sie klären auf, sensibilisieren – und kämpfen für eine Kirche und Gesellschaft, in der Herkunft und Hautfarbe keine Rolle mehr spielen.

„Man muss es leider so klar sagen“, so Thomsen: „Kirche ist zu weiß. Sie spiegelt unsere vielfältige Gesellschaft noch viel zu wenig wider. Und die Problematik sitzt sehr tief. Wieso ist das Jesus-Kind in der Krippe eigentlich immer weiß?“

„Internationale Gemeinden sind längst Teil des kirchlichen Lebens"

Hoppe ergänzt: „Menschen mit internationaler Geschichte oder People of Color sind in vielen Bereichen kaum vertreten – etwa unter Pastorinnen und Pastoren oder in leitenden Positionen. Und dass wir hier ein Problem haben, ist vielen gar nicht bewusst. Wir brauchen mehr Sensibilität dafür.“

Rund 18 Millionen Mitglieder zählt die evangelische Kirche in Deutschland. Etwa 15 Prozent von ihnen haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Hoppe: „Internationale Gemeinden sind längst Teil des kirchlichen Lebens. Häufig feiern sie jedoch ihre eigenen Gottesdienste. Es ist ein Nebeneinander – kein Miteinander. Und wir müssen uns alle die Frage stellen: Warum kommen wir eigentlich nicht zusammen?“

Rassismus ist für viele Menschen Alltag

Dass es sich dabei nicht um ein Randthema handelt, zeigen aktuelle Zahlen: Rassismus ist in Deutschland für viele Menschen Alltag. Laut einem Monitoringbericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors erleben 54 Prozent der rassistisch markierten Menschen mindestens einmal im Monat Diskriminierung.

Gleichzeitig zeigen Daten des Antidiskriminierungsverbands Deutschland, dass 62,6 Prozent aller gemeldeten Diskriminierungsfälle rassistisch motiviert sind. Auch die Gewaltzahlen bleiben hoch: Beratungsstellen dokumentierten zuletzt über 3.400 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe pro Jahr, mit mehreren tausend Betroffenen.

Expert*innen gehen zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus, da viele Vorfälle nicht gemeldet werden.

„Rassismus betrifft uns alle. Er begegnet uns überall – in allen Gesellschaftsschichten, außerhalb und auch innerhalb kirchlicher Strukturen“, sagt Hoppe. Genau deswegen sei es so wichtig, Räume für Gespräche zu schaffen. 

Interesse an rassismuskritischer Bildungsarbeit wächst

Thomsen bedenkt: „Viele weiße Menschen müssen sich erst einmal bewusst mit dem Thema beschäftigen. Nur wenn sich die Gesellschaft mit strukturellem Rassismus auseinandersetzt, kann sich langfristig überhaupt etwas verändern.“ Viele Menschen seien sich rassistischer Strukturen nicht bewusst, weil sie selbst nicht davon betroffen seien.

Deshalb setzen Hoppe und Thomsen in ihren Workshops vor allem auf Sensibilisierung und Austausch. Es gehe nicht darum, Menschen pauschal als rassistisch zu verurteilen. „Das Problem sind oft unsere Strukturen“, so Hoppe und Thomsen. „Und die müssen wir reflektieren.“

Die Nachfrage nach den Workshops ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Immer mehr Gemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis fragen nach Angeboten zum Thema Rassismus und Diskriminierung.

Auch in der Nordkirche insgesamt wächst das Interesse an rassismuskritischer Bildungsarbeit. Neue Stellen und Initiativen beschäftigen sich inzwischen mit dem Thema.

Klar ist: Wer über Nächstenliebe spricht, muss sich auch mit Ungleichheit und Ausgrenzung auseinandersetzen. Joy Hoppe und Kelly Thomsen sind sich einig: „Wir reden viel über Gerechtigkeit und Frieden. Dann müssen wir auch bereit sein, uns selbst kritisch zu hinterfragen.“

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