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Wie schulisch soll Kita sein?

Wie schulisch soll Kita sein?

Erfahrungsbericht Austausch Riesi

Susanne Weigang aus dem Kinderladen Schalom in Norderstedt und Odette Müller-Hämke aus der Kita Lutherbuche in Lokstedt (Beide Kitas gehören zum Kita-Werk Hamburg-West/Südholstein) haben im April 2026 für zwei Wochen in unserer Partner-Kita auf Sizilien hospitiert.

Wir, Susanne und Odette, waren in Riesi, einem kleinen Ort auf Sizilien. Dort hatten wir eine wundervolle Zeit und haben ein aufregendes Land mit beeindruckenden historischen Sehenswürdigkeiten, einer vielfältigen Kultur und vor allem liebenswerten und herzlichen Menschen kennengelernt.

Wir haben die Kita im Servizio Christiano besucht. Das Servizio Christiano ist ein Diakonisches Werk der Waldensischen Kirche. Es gibt eine Kita, eine Grundschule, ein Zentrum für Soziale Gesundheit und ein Gästehaus. Außerdem wird ökologischer Landbau betrieben.

Zwei Wochen lang konnten wir die ErzieherInnen in den zwei Elementargruppen bei ihrer pädagogischen Arbeit begleiten. Es gibt eine Gruppe für 3- bis 4-jährige Kinder und eine für die 5- bis 6-Jährigen. Wir möchten gerne eine der vielen Beobachtungen teilen, da sie uns nachhaltig in unseren Gedanken und Gesprächen zu unserer pädagogischen Haltung und Arbeitsweise beschäftigt.

Die Arbeit mit den Kindern im Servizio Christiano hat eine zum Teil sehr schulische Komponente. So gibt es für jede Altersgruppe Arbeitshefte mit Ausmalbildern, Schwungübungen aber auch Übungen zu Mengen, Formen und Farben. Für die Kinder, die im Sommer in die Schule kommen, gibt es auch Übungen mit Buchstaben und Zahlen. Alle Kinder bearbeiten diese Aufgaben gleichzeitig und es wird Wert daraufgelegt, dass die Übungen sorgfältig und vollständig erledigt werden. Zum Beispiel sollten die Ausmalbilder in der vorgegebenen Farbe angemalt werden und ohne über die Linien zu malen.

Zuerst hatten wir ehrlich gesagt eine eher kritische Haltung zu dieser Art der pädagogischen Arbeit. Wo bleibt da die Berücksichtigung der Individualität? Was ist mit Selbstbestimmung und Partizipation? Auch in unserem Bildungsauftrag ist die Wissensvermittlung von Mengen, Farben, Wochentagen; Monaten etc. festgelegt, aber dies geschieht in unseren Einrichtungen eher im Alltag (z.B. im Morgenkreis mit rituellen Liedern, Fingerspielen und Reimen), sowie durch geplante Projekte und spontane Impulse, die von den Kindern kommen. 

Doch nach der täglichen Beobachtung der Kinder in Riesi fiel uns auf, dass es den Kindern Spaß macht, diese Aufgaben zu erledigen und sie diese sogar einfordern. Wir waren beeindruckt, dass die Kinder schon die richtige Stifthaltung beherrschen. Die ErzieherInnen begleiten die Arbeit mit viel Ruhe und Geduld. Sie motivierten die Kinder mit bestärkendem Zuspruch die Aufgaben zu Ende zu bringen. Uns wurde berichtet, dass viele der Kinder bei Schuleintritt bereits schreiben können und wenig Probleme haben im Schulalltag klarzukommen. Außerdem bietet diese Art der Bildungsarbeit schon früh die Möglichkeit zu erkennen, ob ein Kind Unterstützung durch zum Beispiel Ergotherapie oder Logopädie gut tun könnte. 

Manchmal verurteilen wir viel zu schnell Dinge, die anders gemacht werden, als wir sie kennen oder wir wollen etwas als richtig oder falsch einstufen können. Aber das muss gar nicht sein. Wir sind mit unseren Beobachtungen nicht zu einer finalen Haltung bei der Frage „Wie schulisch soll Kita sein?“ gekommen. Aber wir machen uns weiterhin stetig Gedanken über dieses Thema und nehmen einfach die neuen Impulse in unserer Arbeit auf.

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