Neuigkeiten: Dezember 2025

Wollen wir Olympia und Paralympics in Hamburg?

Wollen wir Olympia und Paralympics in Hamburg?

Olympia und Paralympics in Hamburg: Zwischen Begeisterung und kritischem „Werte-Check“

Im Haus der Kirche wurde am Montagabend Klartext geredet: Über die Chancen von Olympia und Paralympics für Hamburg, die Sorgen vor einem reinen Event-Marketing und die Frage, warum Inklusion mehr ist als nur eine Rampe. Ein Nachbericht zur Veranstaltung „Geld, Geist und Gewissen: Wollen wir Olympia und Paralympics in Hamburg“.

Im Bild v. l.: Michael Augustin, Dr. Steffen Rülke, Maya Lindholm, Anja Botta, Peer Schmidt-Ohm

„Dabei sein ist alles“ – gilt das auch für Hamburg?

Am 31. Mai 2026 entscheiden die Bürgerinnen und Bürger per Referendum über eine Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Doch bevor abgestimmt wird, muss diskutiert werden. Und zwar nicht nur über Kosten und Medaillen, sondern über die Fragen, die oft zu kurz kommen: Was macht das mit unserer Stadt? Wer profitiert, wer wird verdrängt? Und welche Geschichte will Hamburg der Welt eigentlich erzählen?

Unter dem Titel „Geld, Geist und Gewissen: Brauchen wir Olympia und Paralympics in Hamburg?“ lud unser Kirchenkreis am 15. Dezember ins Haus der Kirche nach Niendorf. Auf dem Podium trafen ganz unterschiedliche Perspektiven aufeinander: Dr. Steffen Rülke (Leiter Hamburger Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele), Maya Lindholm (Paralympics-Goldmedaillengewinnerin), Peer Schmidt-Ohm (Geschäftsführer des Kita-Werkes) und Pröpstin Anja Botta. Moderiert wurde der Abend von NDR-Sportreporter Michael Augustin.

„Die Spiele müssen sich der Stadt anpassen“

Gleich zu Beginn machte Dr. Steffen Rülke deutlich, dass Hamburg aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt habe. Die Bewerbung orientiere sich am „Pariser Modell“: Nicht die Stadt wird für die Spiele umgebaut, sondern die Spiele passen sich der Stadt an. „80 Prozent der Sportstätten haben wir schon“, betonte Rülke. Zudem verwies er auf die über 900 Hinweise, die Bürgerinnen und Bürger bereits eingebracht hätten. Sein stärkstes Argument war jedoch nicht ökonomischer Natur, sondern gesellschaftlicher: „Sport und Musik sind die einzigen Fächer, in denen man mehr lernt als Schreiben und Rechnen – nämlich Gemeinsinn, Respekt und Teamgeist.“

Kirche als „kritisches Gegenüber“

Kirche als „kritisches Gegenüber“

Pröpstin Anja Botta skizzierte die Rolle der Kirche differenziert. Einerseits seien die olympischen Werte – Völkerverständigung, Fairness, Frieden – „sehr anschlussfähig“ für die Kirche. Andererseits warnte sie davor, dass bei einem solchen „Mega-Event“ die Schattenseiten übersehen werden könnten. „Ich würde mir wünschen, dass Kirche ein kritisches Gegenüber bleibt“, so Botta. Es gehe darum, genau hinzuschauen: Werden Menschen am Rand der Gesellschaft verdrängt? Wird Nachhaltigkeit wirklich gelebt oder nur versprochen?

Mehr als nur eine Rampe: Der Blick auf Inklusion

Besonders eindrücklich war die Perspektive von Maya Lindholm. Die Rollstuhlbasketballerin, die 2012 in London Gold holte, beschrieb die Faszination der Spiele, legte aber auch den Finger in die Wunde: In Hamburg fehle es noch immer an barrierefreien Sportstätten. Olympia könnte hier ein „Booster“ sein, um endlich Bedingungen zu schaffen, die allen Menschen den Zugang zum Sport ermöglichen. Rülke ergänzte leidenschaftlich: „Wer die Paralympischen Spiele feiert, der feiert Vielfalt und Toleranz. Der feiert das, was uns verbindet.“

Kita-Perspektive: Investition in die Zukunft?

Peer Schmidt-Ohm brachte einen pragmatischen, aber entscheidenden Aspekt ein: den Zustand der Sportinfrastruktur für Kinder. „In vielen Kitas fehlen Bewegungsräume, Schwimmunterricht fällt aus“, berichtete er. Seine Bedingung für ein „Ja“ zu Olympia: Die Investitionen dürfen nicht nur in Hochglanz-Arenen fließen, sondern müssen in der Breite ankommen – in den Kitas und Schulen. „Wenn das damit verbunden ist, bin ich totaler Olympia-Freund.“

Fazit: Mut zur Bewerbung – aber mit Bedingungen

Die Stimmung im Saal war konstruktiv und überraschend einig in einem Punkt: Hamburg könnte das wuppen. Auch Pröpstin Botta traut der Stadt zu, ein guter Gastgeber zu sein – erinnerte aber an die Verantwortung: „Es darf keine Gelddruckmaschine werden.“

Am Ende des Abends blieb der Eindruck: Die Skepsis von 2015 ist nicht verschwunden, aber sie ist einem differenzierten Blick gewichen. Oder wie Peer Schmidt-Ohm es formulierte: „Mut tut gut.“ Ob Hamburg diesen Mut aufbringt, entscheiden wir alle am 31. Mai 2026.